Wirtschaft

Dubioses Geschäftsmodell

Austro-Firma steckt hinter Instagram-"Rich Kids"

Mit Protz-Fotos von Luxus-Urlauben und teuren Autos werben Jung-"Unternehmer" im Netz für eine Masche, um ohne Arbeit reich zu werden. Dahinter steckt eine österreichische Firma.
Luxus-Urlaub, Boote, dicke Autos und dazu immer markige Motivationsfloskeln – zahlreiche Infulencer und Instagram-Stars inszenieren ihren Reichtum so auf der Social-Media-Plattform. Auch einige österreichische, deutsche und schweizer Jung-"Entrepreneurs" zeigen auf dem sozialen Medium ihren Wohlstand her. Für ihre Follower haben die Betreffenden dann auch gleich eine tolle Geschäftsmöglichkeit zu empfehlen, mit der man angeblich wie von selbst reich werde.

Die jungen Männer sind nämlich nicht – wie sie von sich behaupten – "Unternehmer" im eigentlichen Sinne, sondern arbeiten für die österreichische Firma "Cashback World" des Grazers Hubert Freidl. Diese hat ihren offiziellen Sitz in der Schweiz und hieß früher "Lyoness". Unter diesem Namen wurde sie bereits mehrmals verklagt. In mehreren Ländern – auch Österreich – wird ermittelt, in Norwegen wurde "Lyoness" bzw. "Cashback World" inzwischen als illegales Pyramidenspiel verboten.

Geschäftsmodell in der Kritik

Bei dem Geschäftsmodell handelt es sich grundsätzlich um eine Einkaufsgemeinschaft, mit deren Rabattkarte Kunden bei Partnerunternehmen Rabatte bzw. bis zu 5 Prozent des Kaufpreises zurückbekommen. Weil "Lyoness" den Rabatt ausgehandelt hat, wird es im Gegenzug am Umsatz beteiligt.

Aber das ganz große Geld, so versprechen es die "Entrepreneure" auf eigenen Seminaren und Conventions, wird angeblich mit einem anderen Konzept gemacht: Network-Marketing – die Anwerbung neuer Partner, Kunden und neuer Marketer, also Kundenanwerber.

Wer sich ein Business-Paket von der Tochterfirma "Lyconet" für circa 2.500 Euro kauft (das Starter-Paket kostet knapp 50 Euro), soll am Umsatz beteiligt werden – "passives Einkommen" nennen sie es. Je mehr man investiert, desto größer die Beteiligung, versprechen die Verkäufer. Selbiges gelte für Rabatt-Gutscheine, durch die man für monatlich 50 Euro auch Anteile an der Firma erhält und somit am Umsatz beteiligt wird.



Bei Seminaren an exotischen Orten wird Beteiligten das System eingetrichtert.

Verdacht auf Pyramidenspiel

Doch das erinnert die Behörden in mehreren Ländern an ein Schneeballsystem oder Pyramidenspiel. Das heißt, dass der Umsatz nicht (oder nur zu einem sehr geringen Teil) mit dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen gemacht wird, sondern mit dem Anwerben von Mitgliedern. Damit Gewinn abfällt, müssen immer neue und immer mehr Mitglieder angeworben werden.

So sieht es zumindest die Glücksspiel- und Stiftungsaufsicht in Norwegen, wo "Lyoness" als illegales Pyramidensystem inzwischen verboten wurde. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Auch in Deutschland und der Schweiz wird ermittelt.

Österreichische Ermittelungen im Finale

Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) führte ebenfalls Ermittlungen wegen Verdachts auf Verletzung der Prospektpflicht, wie gegenüber "Heute" bestätigt wurde.

Da es sich um ein sogenanntes berichtspflichtiges Verfahren handelt, hat die WKStA der Wiener Oberstaatsanwaltschaft und dem Justizministerium Bericht erstattet. Dort wird der Bericht derzeit von einer Fachabteilung geprüft, wie eine Sprecherin "Heute" bestätigte. Erst nach der Prüfung durch das Justizministerium ist klar, ob es auch zu einem Prozess kommen wird.

(hos)

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