Musik

"Überall zu Hause"

Christina Stürmer: 'Wollte kein Mama-Album machen'

Die 36-jährige Sängerin veröffentlicht am 21. September ihr neues Album "Überall zu Hause". Wir haben mit ihr geplaudert.
Heute: In ein paar Tagen erscheint Ihr neues Album "Überall zu Hause". Wofür steht der Titel, gibt es einen persönlichen Bezug?

Christina Stürmer: Es gibt mehrere Gründe, warum das Album so heißt. Einerseits gibt es einen Song auf dem Album, der so heißt. Das war der allererste song, der geschrieben worden ist, für das Album. Der hat dann auch vorgegeben, in welche Richtung musikalisch das ganze gehen soll. Das war für mich dann schon einmal ein Grund, das Album so zu nennen. Gleichzeitig sind bis auf zwei Songs alle Songs bei uns zu Hause im Weinviertel geschrieben worden. Bis auf das Schlagzeug ist alles bei uns aufgenommen worden. Es war wirklich alles sehr familiär. Selbst die ganzen Songwriter und der Produzent haben das alle so empfunden. Drittens - in einem Song geht es um die letzten fünfzehn Jahre, was die mit mir gemacht haben, was teilweise wie ein Film abgelaufen ist. Wo man macht und tut und eigentlich nie wirklich Zeit hat, das ganze zu realisieren, sich hinzusetzten und zu sagen 'das ist leiwand'. Ich hab aber jetzt eigentlich meine ganze Familie integriert in das ganze und es ist mir mittlerweile wirklich egal, ob ich in Berlin bin oder in Stuttgart oder wo auch immer, wenn die dabei sind, dann ist es wie daham. Es fühlt sich nie irgendwo fremd an, wenn die dabei sind.

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Heute: Auf dem Cover sieht man auch sehr prominent Ihr Anker-Tattoo. Das steht ja symbolisch auch irgendwie für ein Daheim, das man irgendwo angekommen ist. War das Zufall, oder Absicht?

Christina Stürmer: Nein, das ist wirklich ganz zufällig passiert. Es war eher so, mit welcher Hand halte ich die Scheibe, das Plexiglas-Quadrat? Wir haben weiß ich nicht wie viele Fotos gemacht in Kroatien und es waren auch viele tolle dabei und meine Schwester hat die dann auch ein bisschen durchgeschaut. Sie hat das Foto dann am besten gefunden. Weil dieses Plexiglasquadrat ausschaut wie ein Hausdach. Eigentlich. Das hat meine Schwester gleich hineininterpretiert. Der Anker ist dann auch irgendwie zufällig darauf zu sehen.

Christina Stürmer



Heute: Schon bei der ersten Single ist sofort aufgefallen, dass das irgendwie anders klingt als früher. Das zieht sich durch das ganze Album durch. Wie kam es zu der musikalischen Veränderung?

Christina Stürmer: Weil ich in den letzten zwei, drei Jahren ganz andere Musik gehört hab. Wenn ich die letzten fünfzehn Jahre Revue passieren lassen, dann hat das alles angefangen mit "Ich lebe", "Nie genug", alles sehr gitarrenlastig. Da ist auch oft in der Zeitung gestanden "Die Röckgöre" oder "Die Rockröhre". DAs mat mir früher irgendwi geschmeichelt. Ich mag Gitarren immer noch sehr gern, ich höre gern Gitarrenmusik, aber nicht so diese Brat-Gitarren, diese fetten. Ich mag James Bay, vor Jahren ist bei uns immer John Mayer gelaufen. Das ist für mich mehr Kunst auf der Gitarre irgendwie. Für mich war klar, ich bin nicht mehr diese "Rockröhre", von der da immer alle geschrieben haben. Früher war dieses Schubladendenken, "Rock ist cool, Pop ist uncool." Die letzten zwei Jahre hab ich sehr viel One Republic gehört. Sehr viel Imagine Dragons. Das letzte Album von Linkin Park. Das war für mich nicht so "Wäh, was machen die jetzt?", sondern "Wow, was machen die jetzt?". Mit diesen ganzen Sachen, die man privat hört, das fließt auch in die eigene Albumproduktion ein. So hat sich das dann in dem Songwritingprozess gezeigt, wir wollten einmal was anderes probieren. Bis wohin kann man gehen? Gehen wir lieber einen Schritt zu weit und rudern dann zurück und schauen, dass das noch immer Christina Stürmer bleibt, wo ich mich wohl fühle noch.



Heute: "Überall zu Hause" ist Ihr erstes Album als Mutter. Wie hat Ihre kleine Tochter die Arbeit, die Profession beeinflusst.

Christina Stürmer: Für mich war klar, dass ich kein Mama-Album machen wollte. Keine Kindertexte schreiben. Musikalisch auch die Musikrichtung. Sie liebt auch James Bay, ich werde mit ihr daheim kein Slipknot hören. Ich merke, wie wir die Songs geschrieben haben, ob ihr das gefällt oder nicht. Ob sie mitsingt, oder nicht. Und natürlich beeinflusst das ein bisschen Aber ich würde jetzt nicht sagen, im musikalischen Schaffe. Man arbeitet anders. Aber wir haben eher geschaut, dass das ja kein Kinder-Mama-Album wird.

Heute: Heutzutage ist es fast schon normal, dass man Gastmusiker auf dem Album hat. Warum bei Ihnen nicht?

Christina Stürmer: Was ist heutzutage schon normal? Weil sich das einfach nicht ergeben hat. Ich finde aufgesetzte Sachen komisch. Ich hätte es komisch gefunden, irgendwen anzurufen und zu sagen "Hey". Es muss sich einfach ergeben.

Heute: Es wäre ja durch das Engagement bei "Sing meinen Song" irgendwie aufgelegt gewesen?

Christina Stürmer: Wir haben alle noch immer Kontakt miteinander, aber es war jetzt nicht so, dass wir eine Nummer gemeinsam machen. War einfach nicht. Wir sind lieber auf ein Bier gegangen.

Heute: Sie gehen mit dem neuen Material im Frühjahr auf Tour. Gibts da schon Pläne, wie man das neue Material spielen wird? Wird es rockiger, oder eher 1 zu 1 wie auf dem Album?

Christina Stürmer: Ja, das ist schon das Ziel. Natürlich wird es auch "Ich lebe" und "Millionen Lichter" geben. Es wird halt live sein. Natürlich wird anders klingen als auf Platte, das ist eh ganz klar. Wir werden die Songs jetzt nicht umarrangieren.

Heute: Warum spielen Sie in Wien in letzter Zeit immer in der Arena?

Christina Stürmer: Stimmt ja gar nicht. Wir haben schon so oft im Gasometer gespielt. Arena draußen ist aber für mich persönlich die geilste Location. Und deshalb freue ich mich, dass der Veranstalter in Österreich jetzt wieder gesagt hat "Machen wir die Arena draußen." Und es ist einfach super, ich geh da selber sehr gerne hin.

Heute: Danke für das Interview.

Am 17. Mai 2019 spielt Christina Stürmer in der Open Air Arena in Wien. Tickets gibt es HIER.

(baf)



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