Politik

Bizarre Begründungen

Ohne Pornos am Handy kein Asyl in Österreich

Die Plattform "Fairness Asyl" sammelt auf ihrer Seite die zynischsten, bizarrsten und unmenschlichsten Negativ-Bescheide von Behörden gegen Asylsuchende.
Vor einigen Wochen sorgte die Veröffentlichung eines negativen Asylbescheids gegen einen 18-jährigen Burschen aus Afghanistan für internationale Schlagzeilen.

Der junge Mann, der in Österreich um Asyl anfragte, weil er aufgrund seiner Homosexualität in seiner Heimat verfolgt werden würde, wurde vom zuständigen Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) mit einer Begründung weggeschickt, die an Absurdität kaum zu überbieten ist – "heute.at" berichtete.

Mehr lesen:So stellt sich das Asylamt Homosexuelle vor >>

"Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass sie homosexuell sein könnten", hieß es da über den jungen Mann, der als minderjähriger Flüchtling seit 2016 in einem SOS-Kinderdorf in Niederösterreich untergebracht war.

Und weiter: "Es wird berichtet, dass Sie öfter Auseinandersetzungen mit Zimmergenossen hatten. Ein Aggressionspotential ist bei Ihnen also vorhanden, was bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre."

Freiwillige Helfer sammeln Perlen

Der Fall war einer der ersten dieser Art, die medial groß diskutiert wurden. Dass es sich dabei aber keineswegs um einen Einzelfall handelt, zeigt die Plattform "Fairness Asyl" auf.

Hier sammeln freiwillige Helfer Protokolle und Bescheide des BFA und Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVwG). Und darunter befinden sich wahre Perlen, wie sie kein noch so zynischer Satiriker erfinden könnte.

So bizarr, das kann man nicht erfinden

Die – teils wirren und teils schlicht und ergreifend boshaften – Aussagen, Protokolle und Bescheide der Beamten sind so bizarr, dass sie in manchen Fällen fast schon wieder lustig sein könnten, wären sie nicht einfach nur traurig.



Vergewaltigte Frauen, die sich nicht direkt nach der Vergewaltigung waschen, wurden nicht vergewaltigt. Christlichen Glauben kann man auch im Geheimen ausüben. Jeder Afghane hat mindestens 50 Cousins und Cousinen, die ihm im Heimatland Unterschlupf gewähren können. Und: ohne pornographische Fotos am Handy ist man offenbar nicht wirklich homosexuell.

Ein paar der ernüchternsten und absurdesten "Highlights" haben wir oben in der Diashow zusammengefasst.

BFA soll "faule Äpfel finden und entfernen"

"Mit großer Besorgnis stellen wir fest, dass die Bescheide des BFA noch immer teils von persönlichen politischen und gesellschaftlichen Einstellungen der Beamten motiviert sind", werden Wolfgang Salm, Gründer von "fairness-asyl.at" und Andrea Mayrwöger, Gründerin von "Hörsching hilft", in einem Bericht des "Kurier" zitiert. Jetzt sei es Aufgabe des Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) die angekündigten "behördeninterne Maßnahmen" auch umzusetzen.

"Es ist klar, dass hier das BFA gefordert ist, die faulen Äpfel [unter den Referenten] zu finden und zu entfernen", so Salm in einer Videobotschaft. Mayrwöger fügt hinzu: "Der Rechtsstaat ist für alle da – auch für Menschen auf der Flucht."

Die Bilder des Tages

(tillate)

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